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Computer Based Training – Lernen ohne Landgang

Uta Fuchs, Axel Staeck, Hamburg

Gefahrgutbeauftragte in Großunternehmen kennen das Problem: Das Organisieren der Schulungstermine für beauftragten Personen verschlingt viel Zeit. Doch es gibt Alternativen – hier zwei Beispiele.

1. Beispiel: Spedition – Lernen Just-in-time

Keine Blockseminare am Wochenende, keine Überstunden, keine zusätzlichen Trainer – Heinz-Jürgen Efferns Schulungskonzept für die Fahrer der Spedition Karl Schmidt ist wirkungsvoll und kostengünstig. Effern ist Niederlassungsleiter der Schüttgutzentren Knapsack und Wesseling. Er hat aus dem Stoff der Mammut-Seminare 20-minütige Kurz-Unterweisungen gemacht.

Die Idee dazu kam dem Rheinländer beim Blick auf die firmeneigene Spülanlage. 30 bis 40 Minuten dauert dort die Reinigung eines Silozuges nach dem Transport. Tote Zeit für die Fahrer. Doch vom Geistesblitz, diese Zeit sinnvoll für Schulungen zu nutzen, bis zu seiner Realisierung, war es ein weiter Weg: Anders als bei der ADR-Schulung, die klar strukturiert ist, war das Schulungsmaterial für die "allgemeinen" Schulungen über dutzende von Gesetzen und Verordnungen zum Arbeitsschutz verteilt. Effern begann damit, die "Zettelwirtschaft" zu sortieren, in kleine Lektionen aufzubereiten und elektronisch zu erfassen. So entstanden im Lauf von zweieinhalb Jahren insgesamt 144 Lerneinheiten mit Diagrammen, Schaubildern und Kurzfilmen.

Unterstützung holte sich der Niederlassungsleiter von der Berufsgenossenschaft und der örtlichen Autobahnpolizei. 1.000 Mitarbeiter hat die Spedition, 150 von ihnen haben bereits das neue Schulungssystem durchlaufen. Spülmeister und Schichtführer führen die Kurzunterweisungen in einem eigens dafür eingerichteten Schulungsraum durch – immer dann, wenn es die Abläufe in der Spedition nicht stört. Etwa 20 Mini-Schulungen muss jeder Angestellte besuchen. In einem zentralen Register werden alle absolvierten Kurse erfasst. So werden doppelte Unterweisungen vermieden – und bei einer Vorschriftenänderung wird die entsprechende Schulung im Zentralregister auf "Wiederholungskurs nötig" umgeschaltet. Einmal jährlich lässt Effern alle Mitarbeiter an einem Fragebogentest teilnehmen. Bei großen Wissenslücken muss der Ertappte den jeweiligen Kurs noch einmal besuchen.

Zwei Jahre nach Einführung des Systems ist die Unfallrate spürbar gesunken – damit sind auch Ausfallzeiten deutlich geringer geworden. Auch hier brachte das neue System also Kostenvorteile. So viel Innovation war der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen im November 2003 den Preis "Geistesblitz 2003" wert. Dass sich das Konzept der Kurzunterweisungen auch für die Schulung der beauftragten Personen eignet, steht außer Frage (siehe dazu auch "Kurz, aber gründlich", Heft 9/02, S. 10).

2. Beispiel: Reederei - Computer Based Training

Die Niederelbe Schifffahrtsgesellschaft ist seit 1986 in Buxtehude, am Rande des so genannten "Nassen Dreiecks" zwischen Elbe und Weser ansässig. 77 Schiffe sind weltweit für NSB unterwegs, rund 1.850 Seeleute auf den Schiffen im Einsatz. Bernd Rieper, Company Security Officer NSB, betont: "Fortbildung in der Seeschifffahrt ist eine Aufgabe, mit der wir uns bei NSB aktiv auseinandersetzen müssen. Für neue Wege der Vermittlung der Lerninhalte an Bord sind wir daher immer offen."

Das Fortbildungszentrum Hafen Hamburg (FZH) hat jetzt in Zusammenarbeit mit NSB eine Software entwickelt, mit der die Besatzungsmitglieder an Bord ihrer Schiffe die vorgeschriebene Ausbildung und Prüfung zum Ship Security Officer absolvieren können. Für Henning Scharringhausen, Geschäftsführer des FZH, stand fest: "Eigenverantwortliches Lernen braucht eine hohe Eigenmotivation. Deshalb waren für uns Übersichtlichkeit und Spaß an der Sache bei der Programmierung besonders wichtig." Das Lernprogramm enthält neben Fachwissen aus dem ISPS-Code auch praktische Anwendungsbeispiele, die auf Denkfehler und Stolpersteine aufmerksam machen. Zudem gibt es am Ende jedes Kapitels einen Practice Part: Der künftige SSO kann durch Übungsfragen selbst einschätzen, ob er alles verstanden hat. Fühlt sich der Teilnehmer für die Prüfung fit, fordert er per eMail beim FZH die Prüfungsfragen an. Löst er mehr als 60 Prozent der Fragen unter Aufsicht des Kapitäns, erhält er vom FZH das Zertifikat "Ship Security Officer".

(Der Gefahrgut-BEAUFTRAGTE 02/2004)

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